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die Mitarbeiter alle, unseres theuern Glaubenshelden Martin Luthers und seiner gleichgesinnten Mitkämpfer um Licht und Wahrheit, Melanchthons, Buggenhagens, Huttens, Camerarius, Trotzendorfs und anderer Ehrenmänner wohlbegründete Ueberzeugung auch hierin von ganzem Herzen theilend, in dem Studium der alten Sprachen die edelste und kräftigste Nahrung für den zu klarer Erkenntniss bestimmten jugendlichen Geist erkennen, und daher im höhern Schulunterricht ihnen den ersten und bedeutendsten Platz zusprechen *).

Die wissenschaftliche Stellung des Lehrers der alten Sprachen auf einem Gymnasium zu seinem Fache ist aber wesentlich verschieden von derjenigen, in welcher sich die Lehrer der übrigen Unterrichtsgegenstände zu diesen befinden. In der Geschichte, der Mathematik, der Physik ist das, was für den gelehrten Forscher Werth und Bedeutung hat, mit sorgfältiger Prüfung von demjenigen zu unterscheiden, wovon für den Jugendunterricht fruchtbarer Gebrauch gemacht werden kann, und nicht bloss in Bezug auf den mündlichen Vortrag in der Schulclasse, sondern auf Wissen und Studium überhaupt. Der umfassendste und gründlichste Geschichtskenner, der tiefste und scharfsinnigste Mathematiker, der genialste Naturforscher kann grade durch die Eigenschaften, die die Höhe seines wissenschaftlichen Standpunctes bezeichnen und dadurch seinen Beruf zum akademischen Lehrer bekunden, am allermeisten gehindert seyn dem frühern Jugendunterricht mit Erfolg vorzustehn, weil das in diesen Gebieten Wichtige keineswegs auch immer für den besondern pädagogischen Zweck erspriesslich ist, und daher von diesem mit Bestimmtheit fern gehalten werden muss.

Ganz anders verhält es sich mit dem philologischen Unterricht, der aber keineswegs auf die beyden classischen Sprachen beschränkt bleiben darf, sondern auch die Geschichte, die Litteratur und die Kunst des Alterthums mit in sich aufnehmen muss **). Weil dieser in ununterbrochner Stufenfolge von den ersten Anfängen der Sprachlehre ausgeht, und auch in seinem

*) Der Verfasser dieser Einleitung kann es sich nicht versagen, nach so manchem schon früher gesprochenen trefflichen Worte hier auf zwey neuerdings in der Schweiz erschienene, diesen Gegenstand mit soviel Klarheit, Einsicht und wohlthuender Wärme behandelnde kleine Schriften hinzuweisen, dass ihnen auch diessseits des Rheins die allgemeinste Verbreitung und Beachtung zu wünschen ist, auf 'Gerlachs Abhandlung über das Verhältniss des Sprachunterrichts zu den übrigen Lehrgegenständen, Basel, 1825. und auf Rud. Rauchensteins Bemerkungen über den Werth der Alterthumsstudien auf Gymnasien 'und höhern Schulanstalten, Aarau, 1825.

**) S. Friedr. Aug. Wolfs Darstellung der Alterthumswissenschaft.

weitern Fortschreiten alle Theile so genau in einander greifen und sich wechselseitig bedingen, dass die Versäumung auch des scheinbar geringfügigsten derselben der Gründlichkeit des gesammten Unterrichts unmittelbaren Nachtheil bringt, ja die Anschauung der alten Welt überhaupt fälscht und trübt, sodass das der Jugend aufzustellende Bild jener Zeitalter von Grund aus verkehrt werden kann, darum ist nicht bloss dem eigentlich gelehrten Philologen, sondern auch demjenigen schon, der nur die Anfangsgründe der alten Sprachen auf die rechte Art und mit dem rechten Sinne lehren will, von dem vollständig umfassenden und dann wieder bis ins Besondere der verschiedenartigsten Untersuchungen eindringenden Ueberblick über sein Gebiet nichts zu erlassen, da ja in diesem aus so vielen Einzelheiten synthetisch gebildeten Ganzen ein jeder Theil wieder nur in seinem wahren Verhältnisse zu allen übrigen richtig und gründlich gewürdigt werden kann. So ungebührlich und übermässig nun auch schon diese Zumuthung Vielen erscheinen mag, so können wir es doch bey dieser Foderung der vollständigsten geschichtlichen Uebersicht noch nicht einmal bewenden lassen. Denn da das gesammte philologische Studium auf allseitiger Kritik beruht und ohne diese überall nicht denkbar ist, so muss sie auch zu jenem bloss historischen Wissen stets belebend und befestigend hinzutreten, und demselben dadurch erst seine wahre Bedeutung geben. Auch ist es nur so dem Schulmanne möglich, bey dem unvermeidlich Wiederkehrenden und dadurch Ermüdenden, dem sein Geschäft sich nie entziehn kann, jeden Ueberdruss von sich abzuwehren, seinem Geiste die Frischheit zu erhalten, ohne die keine belebende Einwirkung auf jugendliche Gemüther denkbar ist, und selbst den Mechanismus des Elementarunterrichts nicht zu scheuen, da ihm ja das höhere Ziel deutlich vor Augen steht, zu dem nur auf diesem Wege empor zu klimmen ist.

In gradem Gegensatz also mit denen, die das Heil des Schulwesens in gewissen Formen des Unterrichts oder in eigends auszubildenden und anzulernenden Lehrmethoden gefunden zu haben meinen, erlauben wir uns die Behauptung, dass beym Unterricht in den Alterthumskenntnissen gründliche Vollständigkeit des Wissens und unabhängig prüfende Durchdringung des Gewussten die ersten Bedingungen alles höheren Gelingens sind: mit andern Worten, der Lehrer in den alten Sprachen muss in seinem Gebiete als selbständiger Gelehrter dastehn, und in je umfassenderm Sinne er dieses ist, desto fruchtbarer und segenvoller wird auch seine Lehrthätigkeit seyn. Misdeute man nicht, als wähnten wir, mit der Gelehrsamkeit sey nun auch alles gethan: freylich wird dem Lehrer, der der höhern religios- sittlichen Weihung ermangelt, sein Wissen wenig frommen, und selbst der glücklichste Verein sittlicher und wissenschaftlicher Trefflichkeit kann beym Wirken nach aussen bin nur gar zu

leicht durch zufällige, unwesentliche, oft bloss körperliche Hemmungen völlig paralysirt werden, ohne dass des Mannes wahrer, innerer Werth dadurch gemindert wird. Nur daran glauben wir festhalten zu müssen, dass des philologischen Lehrers übrige Tüchtigkeit durch das Mehr oder Minder seiner cigentlich gelehrten Ausbildung modificirt wird, und dass daher auch ihm vorzugsweis die Verpflichtung obliegt, - wie niedrig immer die Unterrichtsstufe seyn mag, auf die ihn seine amtliche Stellung zunächst hinweist durch ein entschieden wissenschaftliches Bestreben, soweit ihm diess irgend durch die äussern Bedingungen seiner Lage gestattet ist, und durch frische Lebendigkeit des Geistes sich des höchsten Lehrstuhls fähig und würdig zu machen.

Anfoderungen dieser Art, im Allgemeinen hingestellt, pflegen zwar immer übertrieben, auch wohl unbillig und selbst lächerlich zu erscheinen, weil sie in ihrer ganzen Ausdehnung nie befriedigt werden können. Dennoch müssen sie in ungemilderter Strenge ausgesprochen werden, weil die Wirklichkeit ohnehin nicht unterlassen wird sie zu beschränken und herunter zu stimmen. Wer aber überhaupt ihre Gültigkeit bestreitet, der wird unfehlbar auch noch unter der Stufe bleiben, auf die er sich selbstbeliebig beschränkt hat.

Für den vorliegenden besondern Fall dürfte indess die aufgestellte Behauptung nicht so gar vielem Widerspruch ausgesetzt seyn, da wir bereits die Erfahrung einiger Jahrhunderte auf unsrer Seite haben. Denn wiewohl es unsern gelehrten Schulen auch an Historikern, Mathematikern und Naturkundigen, nicht gefehlt hat, die ihre Wirksamkeit weit über den ihnen zunächst vorgezeichneten Kreis hinaus erstreckt haben, so können diese doch in keiner Hinsicht mit den wahrhaft grossen Alterthumsforschern verglichen werden, die, der hohen Würde ihres Berufes eingedenk, von den Zeiten der Kirchenverbesserung an bis auf unsre Tage, zumal in Sachsen, dieser Wiege Deutscher Geistesfreyheit und Bildung, die wahre Stütze und Zierde unsrer Gymnasien gewesen sind. Eben daraus aber erklärt es sich auch, dass mit seltnen Ausnahmen fast nur solche Gelehrte auf den Deutschen Hochschulen wirksame Förderer der Alterthumsstudien geworden sind, die sich zuvor als Lehrer an Gymnasien Verdienst, Achtung und Namen erworben hatten. Wer sich aber am liebsten durch ein sprechendes Beyspiel überzeugen lässt, wie der Lehrer einzugreifen vermag, der zugleich ein ächter Gelehrter ist, und wie diess kraftvolle Einwirken gerade dadurch erst möglich wird, dass er sich auch als Gelehrter zu ausgezeichneter Höhe erhoben hat, den verweisen wir um manches verehrten Mitlebenden und noch rüstig Fortwirkenden zu geschweigen auf den unvergesslichen Georg Ludwig Spalding als ein würdiges Vorbild, wie praktische Lehrthätigkeit mit um

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fassender, weit über das nächste Schulbedürfniss hinaus schreitender Gelehrsamkeit zu verbinden ist, und was ein solcher Verein vermag *).

Es war nothwendig, hierüber unsre vielleicht nicht von Jedermann getheilte Ansicht mit Bestimmtheit auszusprechen, weil die innere Anordnung unsrer Jahrbücher hauptsächlich auf derselben beruht, und nur von diesem Standpunct aus verstanden und gewürdigt werden kann. So nämlich wird es unsern Lesern sofort klar seyn, was uns bewogen hat die Philologie schon auf dem Titelblatte voranzustellen, und wesshalb wir ihr hinfort den meisten Raum, die häufigsten Berücksichtigungen und die ausführlichsten Beurtheilungen zuzuwenden beabsichtigen. Ebenso wird es auch sein Auffallendes verlieren, wenn wir sogleich erklären, dass wir in diesem Gebiete nach seiner ganzen, oben angedeuteten Ausdehnung (aber auch nur in diesem Einem) eine soviel in unsern Kräften ist vollständige Uebersicht über alle litterarischen Erscheinungen, auch über die des Auslandes, zu bewerkstelligen wünschen, und daher, keine Beschränkung auf den gemeinen Schulgebrauch anerkennend, nur das unleugbar Gehaltlose, Leere und Nichtige aus unserm Kreise ausschliessen werden **).

Ganz anders verhält es sich nach unsrer Ueberzeugung mit allen übrigen Lehrgegenständen, deren streng wissenschaftliche Behandlung wir von ihrer besondern Verwendung zum Behuf der Jugendbildung auf das Schärfste abscheiden zu müssen glauben, und die wir in der letztern Beziehung unter dem Worte Pädagogik zusammengefasst haben, um sofort den Zweck kennbar zu machen, dem untergeordnet sie hier betrachtet werden sollen. In dem ganzen Gebiete, das man nicht bedeutungslos unter der Bezeichnung der Humanitätsstudien begriffen hat, lässt sich kein wesentliches Moment nachweisen, das nicht entweder durch sich selbst oder durch seinen Zusammenhang mit den übrigen Theilen ebensowohl seine pädagogische wie seine wissenschaftliche Seite hätte; wesshalb sich auf diesem Felde die Behandlung für die Schule von der für die Universität nur nach Maassgabe des

*) Vergl. Georg. Ludw. Walchs Memoria Spaldingii, Berl. 1821. besonders von S. 17. an.

**) Doch soll gänzliches Ausschliessen nur dann eintreten, wenn eine Schrift schon durch ihren Titel und ihr äusseres Gepräge sich als gehaltlos und nichtig darstellt. Ist diess nicht der Fall, oder verheisst sie wohl gar auf den ersten Anschein das Gegentheil, so werden wir mit möglichster Sorgfalt uns bemühen, durch kurze Anzeigen diejenigen, denen die Umstände eigene Prüfung nicht erlauben, auf ihren wahren Werth aufmerksam zu machen.

Jahn.

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Umfangs und der Tiefe unterscheiden wird: die Thätigkeit des Lehrers kann hier also nur dem Grade nach eine andre seyn. In 1 den übrigen Fächern dagegen wird nicht selten dasjenige dem allgemeinen Bildungszweck widerstreben, was die Wissenschaft selbst bereichert und erweitert. Wie daher der in die Tiefen seiner Wissenschaft eingeweihtere Theolog als solcher auch für die Schule der geeignetere Religionslehrer seyn sollte, oder der gelehrtere, schärfere Geschichtsforscher als solcher der wirksamere Geschichtslehrer, das können wir eben so wenig einsehn, als dass dem physikalischen oder mathematischen Schulunterricht ein besondres Heil daraus erwachsen sollte, wenn der Lehrer, der ihn ertheilt, neue Gesetze für den Elektromagnetismus ermittelt oder der Analysis des Unendlichen neue eigenthümliche Bahnen gebrochen hätte. Hier fällt nur das der Schule anheim, wodurch Klarheit und Gründlichkeit der Methode gefördert wird.

Diesem Grundsatze gemäss werden wir alle Erscheinungen auf dem Gebiete der Theologie, der Geschichte, der Mathematik und der Naturkunde, deren Charakter ein rein wissenschaftlicher ist, solchen kritischen Blättern überlassen, deren Bestimmung entweder eine ganz allgemeine ist, oder die einzelnen dieser Wissenschaften gewidmet sind. Uns dagegen eignen wir alles dasjenige an, was theils für den unmittelbaren Zweck und Gebrauch der Schule gearbeitet ist, theils durch lehrreiche Eigenthümlichkeiten in der Behandlung oder im Inhalt die vorzugsweise Aufmerksamkeit des gelehrten Schulmannes in Anspruch nehmen zu dürfen scheint: wobey sich abermals ohne Weiteres versteht, dass solche Schriften, die sich begnügen zehnmal Gesagtes zum eilftenmal zu sagen, und weder für die Forschung noch für die Methode etwas Neues und Eignes darbieten, ohne Rücksicht auf Bogen- oder Bändezahl, entweder mit einer kurzen Warnungsanzeige zu entlassen, oder mit einem zur Genüge bezeichnenden Stillschweigen zu übergehn sind.

Ganz dieselben Regeln gedenken wir in Bezug auf die Hebräische und auf die neuern lebenden Sprachen zu befolgen. Doch werden wir mit den letztern unsre edle Muttersprache keineswegs in Eine Linie stellen, sondern den hohen Werth, den wir auf sie auch als Bildungsmittel legen, durch vorzugsweise Beachtung der sie und ihre Geschichte betreffenden Werke zu erkennen geben.

Was die philosophischen Vorträge über Logik, Psychologie, Rhetorik, Aesthetik, Geschichte der Philosophie u. s. w. anlangt, sind zwar auch wir, um uns der Worte eines vielerfahrnen gelehrten Schulmannes zu bedienen *), der Meinung, dass eine

*) Joh. Casp. Friedr. Manso im Progr. des Bresl. Magdal. Gymn. zu Ostern 1826. S. 49.

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