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Geschichte der Kunst bei den Griechen.

Uebersicht der Geschichte der Kunst beiden Griechen deren bekanntesten Werke und Meister so wie die [der] noch vorhandnen und darauf Bezug habenden Denkmale. Nebst den gleichzeitigen Weltbegebenheiten und den wichtigsten Erscheinungen im Gebiete der Wissenschaften, Literatur und Poesie von Heinrich Meyer, Grossherz. Sächs. Weimar. Hofrathe. Dresden in der Waltherschen Buchhandlung. 1826. Fünf Tabellen in Folio. 1 Thlr. [Vrgl. Beck's Repert. Bd. 2 S. 47 f.]

Wenn man von mehrern Seiten her der Behandlung einiger Wissenschaften in der neusten Zeit den Vorwurf gemacht hat, dem tabellarischen System zu sehr gehuldigt und wohl gar über der Schale den Kern vergessen zu haben, so braucht die Geschichte der Kunst bei den Völkern des Alterthums ihn nicht auf sich zu beziehen. Alle Theile der Geschichte hatten nach und nach ihre chronologischen Tabellen erhalten, und mit mehr oder weniger glücklichem Erfolg hatte man die Ergebnisse langwieriger und mühsamer Forschungen in historischer Folge darzustellen versucht, und zwar so, dass man entweder einzelne. Wissenschaften und einzelne Theile der Geschichte berücksichtigte, oder sie in fruchtbarer und sich gegenseitig erläuternder Beziehung anderer anführte. Nur die Archäologie und Kunstgeschichte blieb ausgeschlossen, und noch in dem zuletzt erschienenen chronologischen Werke über Griechische Geschichte und Literatur, wo man so viel findet, in Henry Fines Clinton's trefflichen Fastis Hellenicis suchte man eine fünfte Colonne, Geschichte der Kunst, vergebens. Nur zwei Männer unternahmen es die Lücke auszufüllen, Lange in Pforta und der Graf Clarac in Paris, jener in den seiner mit einem meisterhaften Anhange begleiteten Uebersetzung des Lanzischen Werkes über die Skulptur beigegebnen drei synchronistischen Tabellen über die Geschichte der Kunst der Alten, dieser in den Nachträgen zu dem zuerst von Visconti (Paris 1817) herausgegebnen, und später wegen der neuen Erwerbungen des Königl. Franz. Museums im Louvre von ihm selbst bedeutend vermehrten Catalog der Bildwerke jener Sammlung (Description des antiques du Musée Royal, Paris 1820, 8, p.364413). Allein um von dem letztern nicht zu erwähnen, dass die Anordnung grösstentheils rein chronologisch und nur in einem sehr

kleinen Theile (360-200 v. Ch.) synchronistisch und zwar nach den Kunstschulen ist, so füllt diesen Versuch eine Menge der sonderbarsten und nur aus völliger Unbekanntschaft mit den eigentlichen Quellen der Kunstgeschichte erklärbaren Irrthümer und Fehlgriffe an, und das strenge, aber gerechte Gericht, welches Thiersch in den Anmerkungen zu seiner dritten Vorlesung über die bildende Kunst der Griechen S. 79 über jenen Nachtrag gehalten hat, überhebt uns der Mühe, ihn sowohl hier als auch anderwärts zu erwähnen. Ganz anders freilich hatte Lange die Sache behandelt, wie es sich von diesem allseitigen und hochbegabten Kenner des Griechischen und Römischen Alterthums von selbst erwarten liess; aber er wollte nur eine ganz kurze Skizze geben, so dass er auch nur die Hauptepochen der bildenden Kunst (denn alle Malerei ist davon ausgeschlossen, weil ja auch Lanzi von der Skulptur gehandelt hatte,) mit Zahlen bezeichnete, die einzelnen Künstler aber nur in ihrer Folge nach einander aufführte, ohne das erwiesne oder wenigstens wahrscheinliche Jahr ihrer Blühte hinzuzufügen. Wenn wir nun nach den Ursachen fragen, die die Freunde und Pfleger der Alterthumswissenschaften abschreckten, ihre Musse diesem so höchst wichtigen Gegenstande zu widmen, so war gewiss die Menge der Schwierigkeiten, die sich hier dem Forscher von allen Seiten entgegenstellten, der Hauptgrund. Diese Schwierigkeiten aber lagen vorzüglich in dem Streben, gleich zum Anfange Alles geben zu wollen, wo man sich mit genauerer Darlegung des Einzelnen begnügen sollte, und den analytischen Weg zu verlassen, um sogleich den freilich viel blendendern synthetischen zu betreten. Wer die Absicht hatte, in Tabellen über, die Kunstgeschichte der Alten nicht nur das zu geben, was wir über die Lebensjahre der Künstler, ihre Schulen, über einzelne Werke der Architektur, in so fern sich an diese. Künstlerrianten schliessen, oder aus ihnen ein Urtheil über der Kunstzustand der damaligen Zeit fällen lässt, sondern auch zugleich den Styl der vorhandnen Kunstwerke aller Art zu berücksichtigen, und Künstlergeschichte mit Kunstgeschichte, einen Unterschied, den man bis jetzt nicht genau genug beachtet hat, zu verbinden, der musste vor der Weitschichtigkeit des Plans zurückschrecken und leicht begreifen, dass bei der Unsicherheit, die über den Styl der Kunst in den verschiednen Zeiten herrscht und stets herrschen wird, wenn uns nicht vielleicht einmal ein günstiges Geschick un bezweifelt ächte Werke namhafter Meister in die Hände spielt, der Versuch sehr gewagt zu nennen sei, und zufrieden sein, wenn er nur mit der äussern Kunstgeschichte ins Klare kam. Denn wie viel noch hier zu thun sei, zeigen vor allen die Untersuchungen von Thiersch, der endlich, und zwar vorzüglich in den Anmerkungen zu der dritten seiner oben erwähnten Vorlesungen, angefangen hat, diesen besondern Theil der Archäologie, bisher fast nur aus Vermuthungen zusammen

gesetzt, mit der Fackel ächt philologischer Kritik zu beleuchten und dadurch zu beweisen, dass Varianten auch hier nicht so sehr verächtlich sind, als man es bis jetzt geglaubt hat, und dass nur auf philologischem, d. h. grammatisch-historischem Wege einiges Licht in diese chaotische Verwirrung zu bringen sei. Freilich wird dann manches mit unleugbarem Scharfsinn und Geist aufgeführte Gebäude seiner Hauptstütze beraubt werden; aber aus den Ruinen eingesunkener Herrlichkeit gehet dann das Aechte und Wahre nur um so geläuterter hervor. Plinius vor allen (denn Pausanius, so viel er auch giebt, theilt seine Nachrichten doch nur beiläufig mit, berührt namentlich, Malerei sehr wenig, und beschäftigt sich dem ganzen Zweck seiner Reise gemäss fast nur mit Tempelbildern und Siegerstatuen,) muss hier genauer, als es bis jetzt geschehen ist, berücksichtigt werden, da, so flüchtig er auch gesammelt und gearbeitet hat, von seinen Kunstepochen doch das Meiste für die äussere Geschichte der Kunst ausgehen

muss.

Doch wir kehren von diesem Abwege zu dem eigentlichen Gegenstande dieser Bemerkungen zurück. Mit je grössern Schwierigkeiten nun die Abfassung von alles erschöpfenden Tabellen über die Geschichte der Gr. Kunst verbunden zu sein schien, um so mehr war man berechtigt, etwas vortreffliches zu erwarten, als Herr Meyer die oben erwähnten Tabellen erscheinen liess, die als Schlussstein der in demselben Verlag 1824 erschienenen Kunstgeschichte, wozu 1825 ein erläuternder Atlas kam, die dort zerstreuten Bemerkungen in sich aufnehmen, den Gang der Kunst bei den Griechen von ihrem Entstehen bis auf Alexanders des Grossen Tod darstellen, und zugleich den vorzüglichsten der noch vorhandnen Kunstwerke den Platz anweisen sollten, len jedes mit Fug und Recht einnehmen könnte. So wie wir nur von jenen beiden früher erschienenen Abtheilungen des Werks an einem andern Orte (s. Jenaische Allg. Lit. Zeitung 1825 Nr. 24, 25 [wo uns die zweite Recension angehört] und 1826 Nr. 4gesprochen haben, so wollen wir jetzt von den Tabellen als dem letzten Theil des Ganzen den Lesern dieser Blätter Nachricht geben, und daran einige Bemerkungen über den oder jenen Punkt knüpfen, wo wir mit der Ansicht des ehrwürdigen Verf. nicht übereinstimmen können, überzeugt, dass wir durch die Darlegung der Gründe unsrer Zweifel und Bedenken den Unwillen des trefflichen Forschers nicht erregen werden. Vorzüglich ist hier, worauf es ja gerade bei Tabellen am meisten ankommt, die Chronologie zu berücksichtigen, weswegen wir uns in einem engern und selbst vorgeschriebnen Kreise halten werden.

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Es ist erfreulich hier zum erstenmal eine ziemlich vollständige Zusammenstellung desjenigen vor sich zu haben, was seit Winckelmann über Geschichte der Gr. Kunst gedacht und ausgesprochen worden ist, und nur auf solche Art tritt der Gang,

den die Kunst bei den Griechen genommen, wahrhaft plastisch hervor; der innere Zusammenhang, in dem die verschiednen geistigen Gestaltungen jenes in so vieler Beziehung einzigen Volkes zu einander stehen, Blühtenzweige desselben grossen Baumes, ist nur so dem leiblichen Auge der Menschen leicht zu überschauen. Denn um zuerst von der äussern Anordnung der Tabellen zu sprechen, so laufen vier Hauptreihen neben einander hin, von denen die erste,,die politische Geschichte, in so fern dieselbe mit den bildenden Künsten in Berührung steht," (ein zu enger Ausdruck, nach dem sehr vieles hätte wegfallen müssen, was man doch nicht vergebens suchen möchte,) die zweite die Bildner und Bildwerke, die dritte die Maler und Gemälde, die vierte die Geschichte der Wissenschaften, Literatur (sind dem diess zwei verschiedne Gegenstände?) und Poesie begreift. Zwischen ihnen durch gehen drei schmälere Streifen, die theils die wichtigsten Olympiaden angeben, theils den Zustand der Kunst, wie er in den verschiednen Epochen war, im Allgemeinen schildern. Die Jahrhunderte werden, vielleicht nicht ganz zweckmässig, durch Querlinien von einander getrennt: und da die Tabellen, natürlich mit Ausnahme der ersten und letzten, weder einen besondern Anfangs noch Schlusspunkt haben, im Gegentheil die Worte der nächsten Tabelle in genauster Beziehung zu den vorhergehenden stehen, so scheint Herr M. dadurch haben Gelegenheit geben zu wollen, sie an einander zu fügen, um so mit einem einzigen Ueberblick das Ganze übersehen zu können, was freilich mit einigen Beschwerden verbunden sein dürfte.

Wen irun im Ganzen gegen diese Einrichtung nichts erhebliches eingewendet werden kann, obgleich mancher andre Eintheilungsründe vorziehen wirde, so glauben wir, dass in der Anwendung und Anlassung des Einzelnen Hr. M. mehr für die leich– tere Uebersicht, den ersten Zweck aller Tabellen, und also für die bessere Belehrung der Leser sorgen konnte. Die Anordnung ist nämlich durchaus nicht.symmetrisch, die Jahreszahlen der einzelnen Colonnen stimmen nicht genau unter einander überein, und Euphranor der Maler tritt viel eher dem Leser entgegen, als Euphranor der Erzbildner. Doch diess bei Seite, da ja vielleicht Herr M., um Raum zu ersparen, die Symmetrie in einigen aufopfern zu können meinte, so vermissen wir namentlich den den Tabellen eigenthümlich zukommenden Styl. Es klingt sonderbar, hier von einer Eigenschaft der Tabellen zu lesen, die sie nicht haben können, dem Styl; aber eben weil der Hr. Verf. etwas in seine Tabellen hineingetragen hat, was nicht hineingehört, so bekommen sie ein Ansehn, das mehr das einer kurzen Erzählung als eines tabellarischen Ueberblicks ist. Die Begebenheiten werden, willkürlicher Constructionen wegen, bunt durch einander gewürfelt (so z. B. Amphion aus Gnossus in Creta machte u. s. w. Ptolichus aus Corcyra hatte ihn in der Kunst unterrich

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